Hochrisiko-KI-System Definition: Was Sie über die Einstufung nach dem AI Act wissen müssen

Kategorie: IT-Recht

Hochrisiko-KI-Systeme sind nach dem EU AI Act jene Anwendungen, bei denen besonders viel auf dem Spiel steht – etwa in Verwaltung, Strafverfolgung oder besonders sicherheitskritischen Produkten. Sie unterliegen strengen Anforderungen, weil Fehlentscheidungen schwerwiegende Folgen haben können.

Hochrisiko KI Definition und Beispiele

Warum die Einstufung eines KI-Systems so wichtig ist

Bevor Sie eine KI einsetzen, müssen Sie wissen, in welche Risikoklasse sie fällt. Erst dadurch lässt sich beurteilen:

  • ob der Einsatz überhaupt zulässig ist,
  • welche rechtlichen Pflichten einzuhalten sind,
  • welcher Aufwand für Compliance und Dokumentation entsteht.

Verbotene Systeme stehen ganz oben in der Risikoleiter. Direkt darunter folgen Hochrisiko-KI-Systeme – die strengste Kategorie der zulässigen KI-Anwendungen.

Was ist ein Hochrisiko-KI-System? Die zentrale Definition

Ein KI-System gilt als Hochrisiko, wenn sein Einsatz in Bereichen erfolgt, in denen Fehlfunktionen besonders weitreichende Konsequenzen haben können. Entscheidend ist dabei meist der konkrete Einsatzkontext. Typische Beispiele sind:

1. Einsatz in öffentlicher Verwaltung und Strafverfolgung

Systeme, die über staatliche Entscheidungen oder strafrechtliche Vorgänge mitentscheiden, sind hoch sensibel. Dazu zählen etwa:

  • KI-gestützte Analysen in Ermittlungsverfahren,
  • automatisierte Verwaltungsvorgänge wie Bescheidserteilung (z. B. Aufenthalts- oder Baugenehmigungen).

Hier geht es oft um erhebliche Grundrechtseingriffe – entsprechend hoch ist das Risiko.

2. Einsatz in HR-Prozessen

Auch Bewerbermanagement- oder Personalauswahl-Tools können als Hochrisiko-KI-System eingestuft werden, weil sie unmittelbare Auswirkungen auf berufliche Chancen und Diskriminierungsrisiken haben.

3. Integration in sicherheitskritische Produkte

Eine KI kann auch dann ein Hochrisiko-System sein, wenn sie nur ein Teil eines größeren Produkts ist. Maßgeblich ist das Risiko des Gesamtprodukts. Beispiele:

  • Aufzugssteuerungen, die Personenbeförderung beeinflussen,
  • Medizintechnik, etwa KI-basierte Steuerung chirurgischer Werkzeuge.

Die gleiche KI kann in einem weniger sensiblen Umfeld hingegen nicht hochrisikorelevant sein – ein klassisches Beispiel: Aufzugsteuerung (Hochrisiko) vs. Materialtransport im Bergwerk (kein Hochrisiko).

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Warum Hochrisiko-KI-Systeme so streng reguliert sind

Hochrisiko-KI-Systeme unterliegen einem umfangreichen Pflichtenkatalog. Dabei geht es im Kern immer um drei Bereiche:

  • ordnungsgemäßer und zweckentsprechender Einsatz,
  • Schulungen für alle Anwenderinnen und Anwender,
  • Dokumentations- und Informationspflichten.

Je höher das Risiko, desto umfassender sind die Anforderungen. Was konkret auf Unternehmen zukommt, lesen Sie auch im Beitrag AI Act: Anforderungen an Unternehmen verständlich erklärt.

Besonderheit: General Purpose AI (GPAI)

Anders als klassische KI-Systeme lassen sich GPAI-Modelle nicht einfach nach dem Einsatzzweck klassifizieren, da sie nahezu beliebig eingesetzt werden können – von Textgenerierung bis hin zu HR-Prozessen oder Analysefunktionen für Behörden. Daher erfolgt die Einstufung nach ihrer Leistungsfähigkeit. Ab bestimmten Rechenkapazitäten können GPAI-Modelle selbst als Hochrisiko gelten.

Einen Leitfaden zur allgemeinen Klassifizierung finden Sie hier: KI-Systeme richtig klassifizieren: Leitfaden zum AI Act.

Was Sie jetzt tun sollten

Wenn Sie KI in Ihrem Unternehmen einsetzen oder den Einsatz planen, sollten Sie unbedingt klären, ob Ihr System als Hochrisiko-KI einzustufen ist. Das ist nicht nur für die rechtliche Zulässigkeit entscheidend, sondern beeinflusst auch Ihren Aufwand für Compliance und interne Prozesse.

Nutzen Sie gerne meinen kostenfreien Datenschutz-Check für eine anwaltliche Ersteinschätzung, wenn Sie Unterstützung bei der Bewertung benötigen.

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